Österreich produziert mehr Jungärzte als es ausbilden kann
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Österreich hat die höchste Ärztedichte Europas und zu wenig Ärzte
Was sich zu Beginn eigenartig anhört, ist nur auf den zweiten Blick wirklich doppelt parodox, aber eigentlich versagt das ganze System.
1. Paradoxon: "Österreich produziert mehr Jungärzte als es ausbilden kann"
Fakt ist, Österreich hat ein europaweit "einzigartiges" Ausbildungssystem mit der Basisausbildung zu Beginn, welches einen Flaschenhals darstellt, obwohl die Kliniken keine Einschränkung bei der Anzahl der Basisausbildungsstellen haben. Die Anzahl könnte man leicht erhöhen, aber die Facharztausbildungsstellen danach unterliegen einer Genehmigung und sind von der Größe der bestehenden Ärztemannschaft etc. im jeweiligen Fach abhängig. Außerdem wird gerade die Ausbildung in der Allgemeinmedizin um 15 Monate verlängert, was defakto eine erhebliche Lücke an fertigen Allgemeinmedizinern in den ersten 15 Monaten bringt.
Der Run auf die Basisausbildungsstellen und damit Wartelisten bis zu 24 Monate ist eine Folge der Erhöhung der Studienplätze durch weitere, öffentliche und private Medizinuniversitäten in den letzten Jahren, aber auch der Herabsetzung der erforderlichen Sprachkenntnisse auf B2 (seit 2019 C1).
Darüber hinaus wurde die Nostrifikation, die es in der Form nur in Österreich gibt, entdeckt, da man damit nicht nur einen gleichwertigen Abschluss erhält, sondern auch den österreichischen und damit EU-weit anerkannten Titel Dr. med. automatisch dazu "verliehen" bekommt.
2. Paradoxon "Österreich hat die höchste Ärztedichte Europas"
Diese Ärztedichte ist ein Auswuchs verschiedener Problemzonen. Systembedingt wird der klinische und der extramurale Bereich von verschiedenen Töpfen bezahlt und damit besteht wenig durchgriffsrecht zur Prozessoptimierung von der einen oder anderen Seite. Dies bringt ineffektive Strukturen, Doppelgleisigkeiten und wenig Vertrauen.
Vertrauen ist es auch, warum Österreicher Zweit- und Drittmeinungen einholen und damit mehr Ärzte beschäftigen als anderswo.
Unser System hier leistet sich Anwesenheiten von Ärzten in Rehabetrieben rund um die Uhr und in Akutkliniken sind Doppeldiensträder mit Anwesenheitspflicht in jedem Fachgebiet üblich. Dies ergibt in einem 300 Betten-Krankenhaus mit 9 Fachgebieten insgesamt (24/7/365) 18 anwesende Ärzte im Krankenhaus (die eine Hälfte Assistenz- und die andere Hälfte Fachärzte), die am nächsten Tag aus Gründen der Ruhezeiten frei haben müssen und die Nachtdienste mit viel Überstunden quittiert bekommen. In anderen Ländern ist längst die halbe Mannschaft oder mehr in Rufbereitschaft und darf am nächsten Tag arbeiten.
Conclusio
Ausbildungshemmnisse bei den Jungärzten, überbordende Strukturen bei den Fachärzten und die nahende Pensionierung der Babyboomergeneration führen zu einem Ärztemangel trotz Ärzteüberschuß. Ende 2024 waren rund 1/3 der 43.000 Ärzte älter als 55 Jahre.