Home-Office als Arzt
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Diesen Wunsch hört man bei vielen Berufsgruppen, aber welche Möglichkeiten gibt es trotz Patientennähe?
Grundsätzlich gilt, je näher das Fachgebiet am Patienten ist, desto schwieriger wird Home-Office. Zu beachten ist auch, dass nur Allgemeinmediziner und Fachärzte selbständig ärztlich tätig werden dürfen und Assistenzärzte unter Aufsicht arbeiten müssen, daher gehen wir in weiterer Folge nur auf die Möglichkeiten für Allgemeinmediziner und Fachärzte ein. Früher galt, dass ein Arzt die Tätigkeit persönlich und unmittelbar am Patienten vorzunehmen hat; dies wurde durch die Telemedizin etc. aufgeweicht.
Wo die Kombination mehr Richtung Home-Office geht:
Alle diagnostischen Fachgebiete, wie Radiologie etc. lassen sich gut mit Home-Office verknüpfen bzw. kann sogar der Hauptteil von zuhause aus erledigt werden. Wie bei alle Berufsgruppen ist ein spezieller Modus zu finden, um die soziale Einbindung zu schaffen und den gemeinsamen Wissenszuwachs zu bewerkstelligen. Ohne eine definierte Präsenzzeit wird die organisatorische Abstimmung etc. schwer werden. Aus meiner Erfahrung haben die Home-Office-Mitarbeiter einen wesentlich erhöhten Informationsbedarf und dies gelingt am Besten, wenn in der Einstiegsphase eine längere Präsenzphase liegt. Ideal wäre auch ein Wechsel von längeren Phasen der reinen Präsenz zu Phasen mit vorwiegender Home-Office. So bleiben die Mitarbeiter immer gut eingebunden und entwickeln keine eigenen Prozesse.
Ein zunehmender Anwendungsbereich ist die Telemedizin, in der man von einem beliebigen Arbeitsplatz weg, Patienten per Telefon oder Videocall berät, d.h. eine standardisierte Befunderhebung mittels Frageboden vornimmt und dann die Empfehlung der weiteren Vorgangsweise vornimmt (Aufsuchen des Hausarztes, Alarmierung des Notarztes etc.). Denkbar wäre auch Home-Office zur Verlagerung der Kontaktzeiten mit den Patienten in die Vorabendstunden z.B. als psychiatrische Videoambulanz, um beispielsweise arbeitsfähige Patienten gut nach deren Dienst betreuen zu können. Viele Anwendungsbereiche werden sich da in den nächsten Jahren entwickeln, z.B. Vorgespräch mit KI anhand der Abfrage von standardisierten Fragebögen und danach durch die Ärzte in Home-Office.
Wo Home-Office ein, wenn auch untergeordneter, Teil der Arbeit sein kann:
In vielen Fachbereichen ist es mitunter möglich, organisatorischen Aufgaben (Validitierung von Arztbriefen etc.) im Home-Office zu erledigen, wobei die Hauptarbeitsleistung in Präsenz erfolgt. Faktisch kaum möglich ist es z.B. in der Anäthesie, wo die Dienstzeit gänzlich durch die anästhesiologische Betreuung von Operationen eingetaktet ist.
Ein an sich logischer Schritt wird die gleitende Einführung von Home-Office sein und wenn medizinisch möglich, später als Hauptteil der Aufgabe.
Bei all diesen Themen sind viele Punkte noch nicht restlos geklärt. Darunter fallen die Datensicherheit bei Home-Office aber auch die rechtliche Abdeckung von medizinischen Aufgaben. Wer übernimmt beispielsweise die Haftung bei einer telemedizinischen Fehlberatung, die aufgrund der Distanz Patient-Arzt noch viel leichter passiert, als wenn beide in einem Raum sind und Erkenntnisse aus sämtlichen Diagnoseverfahren (Bildgebung, Auswertung Blutbild etc.) rasch zur Verfügung stehen.
In den letzten Jahren hatten wir mehrmals das Thema, dass Ärzte, die vom Ausland aus, Befundungen per Home-Office für österreichische Einrichtungen vornehmen wollten, die Eintragung in die österr. Ärzteliste besitzen mussten. Ferner mussten die dafür eingesetzten Geräte den österreichischen Qualitätsstandards entsprechen. Auch diese Aspekte dürfen nicht vernachlässigt werden.