Arzt-Gehalt in Österreich

/ Aktuell - Zurück zur Übersicht

Was verdient man wirklich in Klinik & Praxis

Die Frage nach dem Gehalt ist wohl die schwierigste Frage und unterliegt der permanenter Anpassung.
Nahezu alle Krankenhäuser und Praxen in Österreich haben einen übergeordneten Kollektivvertrag (analog dem dt. Tarifvertrag) oder ein Gesetz, welche der Bezahlung dort zugrunde liegt. Vom Assistenzarzt bis zum Primararzt (Chefarzt) unterliegen alle Gehälter diesen Kollektivverträgen. Außertarifliche Verträge gibt es fast nur in Privatkliniken. Die Höhe der Bezahlung hängt in den Kliniken von 3 Punkten entscheidend ab:

 

1) Kollektivvertrag
Die Kollektivverträge sind unterschiedlich aufgebaut, regeln aber die Bezahlung während des gesamten, ärztlichen Berufsweges. Da gibt es welche mit vielen Gehaltsklassen je nachdem, ob man Assistenz., Fach-, Oberarzt oder Primararzt ist. Andere wiederrum haben viele Verwendungsjahre hinterlegt. Die wesentlichen Vorteile des Kollektivvertrages sind, dass in Wahrheit gemeinsam mit dem Angestelltengesetz alles geregelt und für den Dienstvertrag eine 1(!) DIN-A4-Seite reicht. Wir nennen das dann Dienstzettel mit rd. 15 Angaben darauf, die das Dienstverhältnis charakterisieren. Alles andere ist geregelt. Der zweite Vorteil ist die Festlegung der genauen Gehaltssprünge (Biennium; alle 2, 3, 4 oder 5 Jahre je nach Kollektivvertrag), die es neben den jährlichen Indexanpassungen gibt. Wer mit 150.000 Euro brutto hierzulande beginnt, hat in den meisten Fällen 210.000 Euro nach 10 Jahren automatisch und ohne einmal verhandeln zu müssen. Weil alle diesen Kollektivverträgen unterliegen, gibt es keine indivuelle Besserstellung.

2) Überstunden, Diensten und Rufbereitschaften
Der Kollektivvertrag regelt auch die Bezahlung von Überstunden, Diensten und Rufbereitschaften. Je nach Klinikum und Fachgebiet sind unterschiedlich viele Überstunden und Dienste notwendig (Nuklearmedizin vs. Traumatologie), die wesentlich das Gesamteinkommen determinieren.

3) Sonderklassegebühren
Diese gibt es derzeit nur in Akutkliniken, wenn diese zusatzkrankenversicherte Patienten behandeln. Typisch ist dafür die Hotelkomponente der Sonderklasse. Die Sonderklassegebühren können je nach Fach, Lage und Position zwischen 0 und einem Betrag mehr als das Grundgehalt liegen - Letzteres gilt nur für die Primarärzte. Fachärzte für Innere Medizin können im ländlichen Bereich mit Sonderklassegebühren von rd. 3.000 Euro pa. rechnen und in Städten mit Einwohner, die gut verdienen, auch schon mal 30.000 Euro p.a. Manache Bundesländer haben Solidaritätsfonds eingerichtet, die dazu führen, dass ein Ausgleich geschaffen wird und am Lande und in Fächern mit traditionell wenig zusatzkrankenversicherte Patienten auch die Sonderklassegebühren entsprechend hoch sind. Während das Gehalt garantiert ist, schwanken die Sonderklassegebühren oft.

 

Verdienst auf Anstellungsbasis inkl. Dienste, Überstunden, Sonderklassegebühren brutto p.a. per Ende 2025 für eine Nicht-leitende Position. Gehaltsspanne als GRÖSSENORDNUNG:
Assistenzärzte in Akutkiniken        80.000 - 120.000 Euro am Ende der Ausbildung
Fach-/Oberärzte in Akutkliniken    135.000 - 260.000 Euro am Ende des Berufsweges
Fachärzte in Kur-/Rehakliniken      110.000 - 160.000 Euro am Ende des Berufsweges
Fachärzte in Praxisanstellung        110.000 - 260.000 Euro am Ende des Berufsweges, stark abhängig vom Fachgebiet (physikalische Medizin vs. Radiologie)

Die genaue Bezahlung erfolgt in der Regel nach den Vordienstzeiten, d.h. nach dem Senioritätsprinzip. Alle Werte sind unverbindlich und ohne Gewähr.

 

Beispiel für die Leseart der Gehaltsspannen: in der Akutklinik starten gleichzeitig ein Jungfacharzt mit 140.000 Euro, ein Facharzt mit 10 Jahren Erfahrung mit 175.000 Euro und ein Facharzt 5 Jahre vor Ende des Erwerbslebens mit 210.000; liegen also alle mit dem Gehalt in der oben genannten Spanne drinnen.

 

ACHTUNG: Gehalt ist nicht alles - es ist nur einer von vielen Punkten, wie familienfreundliche Dienstzeiten, Fortbildung, persönliche Schwerpunktsetzung, Entwicklungsmögichkeiten, Wertschätzung etc., die das Arbeitslesen angenehm und attraktiv machen.