Wie die Covid-Krise das System der Kassen- und Wahlärzte durcheinanderbrachte

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Galt früher der Wahlarzt als Gewinner im System, so hat die Covid-Krise die Situation gewaltig umgedreht

Einfluß der COVID-19-Krise auf die Kassen- und Wahlärzte

Wie die Covid-Krise das System der Kassen- und Wahlärzte durcheinanderbrachte

Galt früher der Wahlarzt als Gewinner im System, so hat die Covid-Krise die Situation gewaltig umgedreht

Kassenärzte erlebten durch die Covid 19-Krise eine etwas andere Arbeitsweise. Corona-Verdächtige wählten gleich die Telefonnummer 1450. In die Ordination ging nur noch jemand, der sich anderweitig akut untersuchen lassen wollte. Patienten konnten sich ihr Rezept zur Apotheke bestellen lassen, Krankschreibungen erfolgten online. Die kurzen Wartezeiten und längeren Arztgespräche ließen ein Feeling, wie beim Wahlarzt aufkommen…

Wahlärzte wiederum erlebten oft zahlreiche Absagen von eingetakteten Terminen. Wahrgenommen wurden oft nur noch jene, die unumgänglich waren. Da die Wartezeiten beim Kassenarzt kurz waren, ging man nun eher zum Kassenarzt. Wahlärzte blieben neben den Terminen vor allem auf ihren Fixkosten sitzen und Existenzangst breitete sich aus.

Kassenärzte, die sonst belächelt wurden, verdienten weiterhin anständig, während Wahlärzte mit ihren frei gewählten Honoraren ums Überleben kämpften – eine paradoxe Situation.

Wahlärzte suchten Klinikanstellungen, ärztliche Haupt- oder Nebentätigkeiten, um wieder Boden unter den Füßen zu bekommen.

Dadurch möglich wäre eine Renaissance der Kassenärzte, d.h. ein höheres Interesse an Vertragsarztstellen. Hoffentlich bleiben wird eine höhere gegenseitige Akzeptanz.

Sicher nicht bleiben wird der Digitalisierungsschub bei den Kassenärzten, denn da heißt es wieder retour zu den Offline-Krankschreibungen, Wartezeiten, Patientenmassenabfertigung und Rezeptmarathon.

Während der Geschirrspüler im Haushalt selber seine Tabs bestellen kann, wenn sie zur Neige gehen, schafft es das Gesundheitssystem nicht, dem chronisch Kranken seine Medikamente automatisch und ohne vielleicht Virus-bedingt gefährlichen Arztbesuch zukommen zu lassen, die er schon seit 20 Jahren nimmt.

Auf der Strecke bleibt wie immer der Patient und Steuerzahler, der für seinen immer größeren Beitrag ans Gesundheitssystem wieder nur eine kleine Leistung erhält und die Gesellschaft mit irren Anfahrts- und Wartezeiten immer weniger wettbewerbsfähig macht.

Wie oft kann sich das österreichische Gesundheitssystem noch leisten, wichtige Reformen nicht umzusetzen?

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