Wien, Wien, nicht nur du allein' -

Aktuelle Meldungen Statistiken / Peter Grill

wirst eine Stadt ohne genug Allgemeinmediziner sein… Im Schnitt schließen nur in Wien jährlich rund 70 Ärztinnen zu wenig die Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin ab

Wien, Wien, nicht nur du allein

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wirst eine Stadt ohne genug Allgemeinmediziner sein… Im Schnitt schließen nur in Wien jährlich rund 70 Ärztinnen zu wenig die Ausbildung zum Arzt für Allgemeinmedizin ab

Lt. Praxisplan sind derzeit gute 1.900 Allgemeinmediziner in Wahl- oder Kassenpraxen tätig und mehr als 500 angestellt; oftmals auch mit Wahlarztpraxis nebenbei. Manche sind auch Fachärzte anderer Sonderfächer zusätzlich.

Rechnen wir, dass ein fertiger Allgemeinmediziner mind. 30 Jahre in der Praxis tätig ist, dann ist ein jährlicher Bedarf an Köpfen von etwa 80 frischen AllgemeinmedizinerInnen notwendig, um alleine die allgemeinmedizinische Versorgung in Wien zu gewährleisten. In Wirklichkeit haben wir keine Gleichverteilung, sondern in Wien rechnet man alleine, dass bis 2025 66% der Hausärzte in Pension gehen (Quelle: APA 11/16) .

Glaubt man den unter der Hand kommunizierten Werten aus Ärztekammerkreisen, dann sind derzeit in Wien nur rund 30 Ärzte in Ausbildung zum Allgemeinmediziner; macht im Schnitt rund 8 fertige Allgemeinmediziner im Jahr. D.h. es werden im Schnitt um den Faktor 10 zu wenig Allgemeinmediziner im Jahr in Wien ausgebildet.

Alleine für die bevorstehende Pensionierungswelle müssten mehr als 220 Allgemeinmediziner jährlich abschließen. Das wäre ein Faktor von 275.

Man braucht kein begnadeter Zukunftsforscher zu sein, um folgende Entwicklungen in der Allgemeinmedizin zu erahnen:

  • in wenigen Jahren ist das System der Allgemeinmediziner in der bisherigen Form Tod
  • Allgemeinmediziner werden zur Mangelware und die wenigen Allgemeinmediziner werden an Wert gewinnen (bessere Bezahlung)
  • Facharztpraxen werden Allgemeinmedizin-Praxen ersetzen; man geht dann zum Internist, so wie heute zum Hausarzt
  • ganze Landstriche werden ärztlich völlig unterversorgt sein; mit Zentren, in denen Ärzte verschiedener Fachgebiete tätig sind, wird man eine Notversorgung aufrecht erhalten; das hat man schon begonnen
  • allgemeinmedizinische Kassenpraxen werden zum Ladenhüter; denn wir alle zahlen und pilgern zum Wahlarzt; Hauptsache, uns wird geholfen
  • Wahlärzte brauchen sich nicht am gemeinde- und kassenärztlichen Bereitschaftsdienst zu beteiligen; damit ist auch dieser totgeweiht; Wunderheiler etc. haben Hochsaison
  • im klinischen Bereich werden fortgeschrittene Assistenzärzte die Aufgabe von den derzeitigen Stationsärzten übernehmen
  • zusammenbrechen wir das Notarztsystem, außer man lässt Ärzte mit Basisausbildung und Notarztdiplom dafür zu

Letztendlich findet, wie in der Vergangenheit ein Downgrading der medizinischen Leistungen bei gleichzeitigem Upgrading der Kosten statt.

Aber vielleicht lockt die bessere Bezahlung wieder mehr JungärztInnen an, die Ausbildung zum Allgemeinmediziner abzuschließen. Macht man einen Blick nach Deutschland, so haben 10,8 % aller fertig werdenden Assistenzärzte 2017 die dortige, wesentlich attraktivere Facharztausbildung für Allgemeinmedizin abgeschlossen (Quelle: Ärztestatistik der dt. Bundesärztekammer). In Österreich - mangels erster Absolventen nach der neuen Ausbildungsordnung - die nächste Jahre geschätzt weniger als 1%.

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